STOTTERN = Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

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Hinweise für Arbeitnehmer


Übersicht



Berufswahl

„Bloß nichts mit viel Sprechen…“?!

Vielen jungen Menschen fällt die Berufswahl nicht leicht. Kommt ein Handicap wie Stottern hinzu, tauchen meist noch mehr Fragen und teils auch Zweifel auf wie: „Kann ich den Beruf als Stotternde/r überhaupt machen?“ oder „Was erwartet mich da und traue ich mir das zu?“
Immer noch entscheiden sich junge stotternde Menschen durch ihr Stottern beeinflusst für einen vermeintlich sprecharmen Beruf.

Vieles ist möglich

Stottern sagt zunächst einmal nichts über die Eignung für einen bestimmten Beruf aus. Natürlich sollten sich junge stotternde Menschen realistisch mit ihrer beruflichen Zukunft auseinander setzen. Wichtig ist aber, dass jeder Mensch vorrangig nach persönlichen Interessen und Neigungen entscheidet und sich nicht von Einschränkungen leiten lässt. Dass vieles möglich ist, zeigen die nachstehenden Beispiele von stotternden Menschen im Berufsleben – Berufe, in denen auf den ersten Blick vermeintlich kein Stotternder anzutreffen ist:
*  Anja arbeitet als Servicemitarbeitern bei der Deutschen Bahn.
*  Stefan ist im Vertrieb bei einem großen Automobilhersteller.
*  Manuel arbeitet als Rechtsanwalt in einer Kanzlei.
*  Petra ist freie Dolmetscherin und Übersetzerin.
*  Markus ist bei der Berufsfeuerwehr im gehobenen Dienst tätig.

Stottern ist veränderbar

Durch Therapie, Selbsthilfe und durch die persönliche Weiterentwicklung im Unternehmen, entwickeln viele Stotternde im Laufe ihres (Berufs-) Lebens einen anderen Umgang mit dem Stottern. Eine wirksame Stottertherapie kann zudem helfen, die Symptomatik zu kontrollieren. Dann werden auch Aufgaben, die man zu Beginn der Berufslaufbahn möglicherweise noch abgelehnt oder sich nicht zugetraut hat, zu einer gern angenommenen Herausforderung. Nehmen Sie Gelegenheiten, Ihre Stärken innerhalb Ihres Unternehmens zu entwickeln, wahr.

Das Umfeld

Eine Bitte an Lehrer, Angehörige und alle anderen, die mit jungen Stotternden in der Berufsberatung zu tun haben: Machen Sie den jungen Stotternden Mut, dass diese nach ihren Interessen entscheiden und sich nicht vorrangig von ihrem Stottern beeinflussen lassen.



Ausbildung und Studium

Recht auf Nachteilsausgleich

Stottern ist als Behinderung anerkannt. Meist ist diese Tatsache weder den Betroffenen noch den Prüfern in Schule, Studium oder Ausbildung bekannt. Wie allen Menschen mit Behinderungen steht stotternden Auszubildenden oder Studierenden ein Nachteilsausgleich zu – auch dann, wenn keine förmliche Anerkennung als Schwerbehinderter vorliegt. Die rechtlichen Grundlagen dafür bietet der allgemeine prüfungsrechtliche Grundsatz der Chancengleichheit aus Artikel 3, Absatz 1 sowie Artikel 3, Absatz 3 unseres Grundgesetzes.

Individuelle Lösungen sind gefragt

Beim Nachteilsausgleich handelt es sich allgemein um Ausbildungserleichterungen, die behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen sollen, ohne die eigentlichen Prüfungsanforderungen qualitativ zu verändern. Im Fall von Stottern können dies zum Beispiel die folgenden Maßnahmen sein:

  • Zeitverlängerung bei Prüfungen oder Referaten
  • Fragestellung nur durch einen Prüfer
  • Zuhilfenahme von technischen Hilfsmitteln wie Laptop und Beamer

Letztlich gibt es aber keine verbindlichen Vorgaben zur Umsetzung für den Nachteilsausgleich. Da Stottern sehr unterschiedlich auftritt, sind in der Praxis auch individuelle Lösungen und Maßnahmen zu vereinbaren.
Der Nachteilsausgleich ist im Vorfeld durch den Prüfling zu beantragen. In der Regel finden sich in der Prüfungsordnung nähere Informationen zum Ablauf für die Beantragung. Für eine offizielle Beantragung des Nachteilsausgleiches kann auch ein entsprechender Nachweis (z.B. Stellungnahme eines Logopäden, Attest durch einen Facharzt) erforderlich sein.

Information und Aufklärung

Seien Sie "Experte in eigener Sache", denn Ihr Prüfer im Studium oder Ihr Ausbilder hat in der Regel kein oder nur wenig Wissen über Stottern. Klären Sie in einem offenen Gespräch darüber auf. Wir unterstützen Sie gerne dabei und schicken Ihnen unsere Informationsmaterialien zu oder stehen Ihnen im persönlichen Gespräch beratend zur Seite. Nutzen Sie auch unsere Informationen auf unserer Webseite.



Bewerbung

Wie, wo und wann Stottern erwähnen?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Antwort hängt vom Schweregrad der eigenen Symptomatik ab, aber auch von der Stelle, auf die Sie sich bewerben. Exemplarisch wollen wir hier einige Möglichkeiten darstellen, wie ein Umgang mit dem Stottern in der Bewerbung aussehen könnte.

  • Entschließen Sie sich, bereits im Anschreiben auf das Stottern hinzuweisen, sollten Sie keine große Sache daraus machen - schließlich möchten Sie mit Ihren fachlichen Qualifikationen punkten.
  • Erwähnen Sie Stottern bereits im Anschreiben, laufen Sie Gefahr, dass die Bewerbung schon beim ersten Sichten aussortiert wird, ohne dass Sie Gelegenheit hatten, Vorurteile, Missverständnisse oder Irrtümer über Stottern auszuräumen.
  • Nach der Bewerbung kann es zu einem zweiten Auswahlschritt kommen: dem Telefoninterview. Hier kann es sinnvoll sein, auf das Stottern hinzuweisen, sofern es hörbar ist.
  • Ein Bewerber beispielsweise hatte Befürchtungen, bei einem überraschenden Anruf vom potentiellen Arbeitgeber stark ins Stottern zu geraten. Er hat dann den Anrufer – es war ein Mitarbeiter der Personalabteilung – auf die Mailbox sprechen lassen. So konnte er den Zeitpunkt des Rückrufes selbst bestimmen. Für diesen Fall nicht vergessen, die Mailbox oder den Anrufbeantworter mit einer angemessenen Ansage zu besprechen!

Manche Bewerber geben auch die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe oder eine ehrenamtliche Tätigkeit im Zusammenhang mit der Stotterer-Selbsthilfe im Lebenslauf an. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn sich aus dem Ehrenamt Qualifikationen für die Stelle ableiten lassen.

Vorstellungsgespräche - (k)eine leichte Sache?!

Vorstellungsgespräche sind für die meisten Menschen keine leichte Sache - für Stotternde gilt das allemal. Immerhin gilt es in dieser Situation in kürzester Zeit und vor allem auch verbal zu überzeugen. Stotternde in der Bewerbungsphase sind häufig unsicher, ob und wie sie ihr Stottern thematisieren sollen. Wie schon in der Bewerbung, gibt es auch hier keinen Königsweg. Diese Frage kann nur individuell beantwortet werden, denn viele Faktoren spielen mit: Wie ausgeprägt ist das Stottern? Oder um welche Stelle bzw. um welches Unternehmen handelt es sich?

Ein offener Umgang ist hilfreich

Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Gesprächspartner wenig oder gar nichts über Stottern weiß. Seien Sie sich deshalb bewusst, dass Ihre (Begleit-)Symptomatik Ihr Gegenüber zunächst verunsichern oder irritieren kann. Deshalb: Ein offener Umgang erleichtert meist allen Beteiligten die Situation. Als stotternder Bewerber zeigen Sie durch einen offensiven Umgang, dass sie selbstbewusst mit ihrer Sprechbehinderung umgehen. Sprechen Sie Ihr Stottern von sich aus an, bestimmen Sie außerdem wie viel Platz dieses Thema im Gespräch haben wird. Mit einem kurzen Hinweis, z.B. im Rahmen ihrer Vorstellung, hat sich in der Regel schon alles erledigt. Dadurch nehmen Sie sich selbst den Druck und Sie können sich besser auf das restliche Gespräch konzentrieren. Hier kann es hilfreich sein, wenn Sie sich bereits im Vorfeld eine für Sie passende Formulierung überlegen, mit der Sie Ihr Stottern ansprechen.



Im Arbeitsleben

Im Arbeitsleben bedeutet Stottern keine generelle Einschränkung. Stotternde finden sich in nahezu allen Berufsfeldern, auch in jenen mit hohen kommunikativen Anforderungen. Mitglieder der BVSS arbeiten als Journalist, Lehrerin, Rechtsanwalt, Physiotherapeutin, Personaler, im Außendienst oder als Frisör.

Offenheit, Information & Aufklärung

Die Unwissenheit über Stottern ist weit verbreitet. Sprechen Sie offen mit Ihren Vorgesetzten und Kollegen über Ihr Stottern. Helfen Sie ihnen, Stottern zu verstehen. So können erst gar keine Missverständnisse im Team entstehen.
Seien Sie "Experte in eigener Sache" und nutzen Sie für Ihre Aufklärungsarbeit gerne unsere Informationsbroschüren, die Sie kostenlos bei uns anfordern oder als PDF herunterladen können. Speziell für Arbeitgeber, Integrationsämter und Arbeitsagenturen haben wir den Flyer "Stotternde Menschen im Arbeitsleben" herausgegeben. Auch die Broschüre "Hinweise für das Gespräch mit Stotternden" kann wertvolle Anregungen geben.

Individuelle Vereinbarungen können hilfreich sein

Treffen Sie mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten gegebenenfalls individuelle Vereinbarungen, um den Berufsalltag für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten. Sprechen Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse offen und frühzeitig an. Reflektieren Sie dabei Ihre eigenen (sprachlichen) Fähigkeiten. So kann ein gutes berufliches Miteinander gelingen.

Stottern als Behinderung

Stottern ist als Behinderung anerkannt, Sie haben daher die Möglichkeit bei Ihrem zuständigen Versorgungsamt einen Ausweis für Menschen mit Behinderung/ Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Das Versorgungsamt bzw. die für Ihren Wohnort zuständige Behörde wird Sie über die konkret notwendigen Schritte bei Bedarf informieren.

Mit der Feststellung eines Grades der Behinderung bzw. einer Schwerbehinderung (diese liegt ab einem GdB von 50 vor) erhält der Betreffende Anspruch auf bestimmte Leistungen und Nachteilsausgleiche, die von der jeweiligen Einstufung abhängen. Die Einstufung hängt vom Schweregrad des Stotterns und ggf. weiteren Beeinträchtigungen ab.
Behinderte Menschen mit einem festgestellten GdB von 30 oder 40 können sich unter bestimmten Voraussetzungen von der Agentur für Arbeit Schwerbehinderten gleichstellen lassen. Sie erhalten dadurch auch Anspruch auf Leistungen wie schwerbehinderte Menschen, mit Ausnahme einiger Nachteilsausgleiche wie Zusatzurlaub, vorgezogene Altersrente oder auch eine unentgeltliche Beförderung im Personennahverkehr. Ein gleichgestellter Beschäftigter wird außerdem bei der Berechnung der Ausgleichsabgabe auf die Pflichtplätze angerechnet - was aber nur bei Betrieben ab 20 Personen Bedeutung hat, da kleinere Betriebe keine Schwerbehinderten beschäftigen müssen.



Angebote der BVSS und der Selbsthilfe

Junge Stotternde und Berufseinsteiger

  • Berufsorientierungsseminare: Für junge stotternde Menschen zwischen 16-25 Jahren bieten wir ein Berufsorientierungsseminar zur Unterstützung bei der Berufswahl an. Der aktuelle Termin wird jeweils in unserer Seminarübersicht bekannt gegeben.
  • Beratung durch Berufserfahrene: Wir bringen Ratsuchende mit berufserfahrenen Mitgliedern zusammen, die gerne etwas von ihren Erfahrungen an andere Stotternde weitergeben möchten. Je nach Fragestellung suchen wir einen passenden Austauschpartner und bringen beide in Kontakt miteinander. Bei Interesse - egal ob als Ratsuchender oder als berufserfahrener Wegbegleiter - nehmen Sie einfach Kontakt zum Projektreferenten auf.
  • Regionale Informationsabende und Workshops: Um stotternde Menschen bei Berufswahl und Bewerbung zu unterstützen, haben wir zusammen mit den Landesverbänden ein spezifisches Angebot geschaffen: Seit 2013 finden in den Selbsthilfegruppen Informationsabende und Workshops zum Thema „Stottern und Bewerbung“ statt. Inhalte sind neben Themen wie dem Umgang mit Stottern in der Bewerbung auch praktische Übungen, z.B. die Simulation eines Vorstellungsgespräches. Die Veranstaltungen richten sich vor allem an Berufseinsteiger sowie Stotternde, die sich beruflich neu orientieren oder weiter entwickeln möchten. Weitere Informationen und Kontakt zu den ehrenamtlichen Ansprechpartnern vor Ort erhalten Sie über die BVSS-Geschäftsstelle.

Selbsthilfegruppen für Jüngere und Ältere

  • Speziell für junge Stotternde im Alter von 16 bis 29 Jahren gibt es "Flow - Die junge Sprechgruppe". Hier können junge Menschen in Austausch mit anderen Stotternden kommen, die in einer ähnlichen Lebensphase (Ausbildung, Studium, Berufseinstieg) sind.
  • Daneben gibt es in Deutschland ca. 90 Selbsthilfegruppen (SHG). In der SHG erhalten Sie Kontakt zu anderen stotternden Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dort können Sie sich zu Themen rund um den Arbeitsplatz austauschen, z.B. über den Umgang mit Kollegen, Kunden oder Vorgesetzen. Sie haben auch die Möglichkeit, bestimmte herausfordernde Situationen in Rollenspielen zu trainieren, damit sie im Alltag leichter fallen.

Flyer, Bücher, DVDs

  • Aufklärungsflyer und Informationsbroschüren können Sie kostenlos bestellen oder heruntergeladen. Speziell für Stottern im Beruf eignet sich das Faltblatt "Stotternde Menschen im Arbeitsleben" für Personalverantwortliche, Arbeitnehmervertretung und Arbeitsvermittler. Eher allgemeine Informationen zum Stottern finden Sie in der Broschüren "Alles was Sie schon immer über Stottern wissen wollen" und "Hinweise für das Gespräch mit Stotternden".
  • Um mehr darüber zu erfahren, wie andere stotternde Menschen die Bewerbungsphase und das Berufsleben erleben oder erlebt haben, empfiehlt sich ein Blick in das BuchDas Stottern hat immer eine Rolle gespielt“ (2015). Hier berichten 14 stotternde Menschen von Ihren Erfahrungen im Arbeitsleben, zusätzlich enthält es zwei Fachtexte und viele hilfreiche Hinweise und Links.
  • Die DVD "Trotz Stottern erfolgreich im Beruf" gibt wertvolle Hinweise und Tipps zum Umgang mit dem Stottern im Berufsleben.
  • Umfangreiches Programm an Büchern und DVDs über Stottern aus dem Demosthenes-Verlag der BVSS.
  • Natürlich finden Sie auf unseren Seiten www.bvss.de Sie eine Fülle von Informationen rund um das Thema Stottern.

Kontakt und Ansprechpartner

Bei allen Fragen rund um Stottern und Beruf steht Ihnen unsere Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle gerne zur Verfügung:

Martina El Meskioui
Projektreferentin "Stottern und Beruf"
Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.
Zülpicher Str. 58
50674 Köln
Telefon: 0221-1391106
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.



 

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Zülpicher Straße 58
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