STOTTERN = Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

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Hinweise für Arbeitgeber, Vorgesetzte, Personalleiter und Kollegen


Übersicht



Wie sollten Gesprächspartner auf Stottern reagieren?

Möglicherweise haben Sie sich auch schon einmal gefragt: „Wie kann ich mich im Gespräch mit einem Stotternden am besten verhalten?“ Im Prinzip ist es ganz einfach, denn im Kontakt mit stotternden Menschen gelten die gleichen Regeln wie bei jedem anderen Gespräch.

Blickkontakt halten

Vielleicht haben Sie zuerst den Impuls wegzuschauen, weil es Ihnen peinlich ist oder Sie Ihren stotternden Gesprächspartner nicht (zusätzlich) unter Druck setzen wollen. Wegschauen vermittelt jedoch Geringschätzung und Desinteresse. Halten Sie also natürlichen Blickkontakt – locker und ohne zu starren.

Geduld haben und ausreden lassen

Lassen Sie die stotternde Person ausreden und ergänzen Sie keine Wörter. Das wirkt demütigend. Verkneifen Sie sich gutes Zureden wie "nur ruhig" oder "hol tief Luft". Diese Ratschläge sind gut gemeint, helfen jedoch nicht. Ein gelassenes Zuhören kann die Situation aber entspannen. Geben Sie Stotternden die Zeit, die sie brauchen, um auszusprechen und hören Sie aufmerksam zu – der Inhalt ist wichtiger als die Form des Sprechens. Denken Sie daran, dass stotternde Menschen genau wissen, was sie sagen möchten und nur das Aussprechen manchmal ein bisschen länger dauert.

Nachfragen erlaubt

Es kann durchaus vorkommen, dass Sie durch das Stottern nicht alles verstehen, was Ihr Gegenüber sagt. Fragen Sie in solchen Fällen ruhig nach und vergewissern Sie sich, wie das Gesagte gemeint war. Das ist besser, als aus Scham zu schweigen oder Aussagen misszuverstehen. Weitere Hinweise finden Sie im Faltblatt „Hinweise für das Gespräch mit Stotternden“, das Sie bestellen oder als PDF herunterladen können.



Im Vorstellungsgespräch - Stottern kann irritieren

Stottern kann irritieren

Wenn Ihnen in einem Vorstellungsgespräch ein stotternder Bewerber gegenübersitzt kann dies zunächst irritieren oder verunsichern. Häufige Silben- bzw. Wortwiederholungen lassen Ihr Gegenüber vielleicht besonders aufgeregt erscheinen. Dabei fehlen dem Stotternden aber gar nicht die Worte. Stotternde wissen nämlich genau, was sie sagen wollen, sie können es in diesem Moment nur nicht fließend aussprechen. Die Situation kann aber auch ganz anders sein: Vielleicht wundern Sie sich, dass der Bewerber so wortkarg ist oder ungewöhnliche Formulierungen wählt. Nicht selten umgehen Stotternde ein Stotterereignis, indem sie Worte austauschen oder möglichst wenig sprechen. Lassen Sie sich davon nicht beirren und ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Stottern sagt nichts über die Arbeitsweise oder Leistungsfähigkeit eines Menschen aus. Es ist eine Unterbrechung des Redeflusses – nicht mehr und nicht weniger.

Viele Stotternde werden von sich auf das Thema zu sprechen kommen. Haben Sie auf der anderen Seite als Arbeitgeber oder Personalverantwortlicher keine Hemmungen, einen stotternden Bewerber auf sein Stottern anzusprechen oder nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. So vermeiden Sie von vornherein Missverständnisse.
Ansonsten gelten für das Gespräch mit stotternden Menschen letztlich die gleichen Regeln wie für jedes Gespräch: Halten Sie lockeren Blickkontakt, lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden und vollenden Sie nicht dessen Satz.



Stotternde Mitarbeiter - Diversity im Unternehmen

In nahezu allen Berufen

Im Arbeitsleben bedeutet Stottern keine generelle Einschränkung. Stotternde finden sich in nahezu allen Berufsfeldern, auch in jenen mit hohen kommunikativen Anforderungen. Mitglieder der BVSS arbeiten als Journalist, Lehrerin, Rechtsanwalt, Physiotherapeutin, Personaler, im Außendienst oder als Frisör.

Auf die Vielfalt kommt es an

Jeder Mensch ist mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen ausgestattet und macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen, die ihn prägen. Diese Vielfalt bringen Menschen in ihre tägliche Arbeit mit ein. Vielfalt im Unternehmen bedeutet, die besonderen Stärken und Kompetenzen der Arbeitskräfte und ihr Potenzial für Ihr Unternehmen in den Vordergrund zu rücken. Lernen Sie uns kennen!

Stottern verändert sich im Laufe des (Berufs-)Lebens

Stottern ist variabel und variantenreich. Keine zwei Menschen stottern gleich. Stottern ist veränderbar und in vielerlei Hinsicht eine dynamische Behinderung. Die Symptomatik kann zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Menschen verschieden stark ausgeprägt sein.
Durch Therapie lernen Stotternde, ihre Symptomatik zu kontrollieren. Durch die persönliche Weiterentwicklung im Unternehmen, entwickeln viele Stotternde außerdem im Laufe ihres (Berufs-) Lebens einen anderen Umgang mit dem Stottern. Aufgaben, die man bei Eintritt in den Betrieb möglicherweise noch abgelehnt oder sich nicht zugetraut hat, werden zu einer gern angenommenen Herausforderung. Geben sie Stotternden – wie allen anderen Mitarbeitern auch – die Gelegenheit, ihre Stärken innerhalb Ihres Unternehmens zu entwickeln, an und mit ihren Aufgaben zu wachsen!

Stottern als Behinderung

Stottern ist als Behinderung anerkannt. Es kann also sein, dass Sie auf einen stotternden Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis treffen bzw. auf jemanden, der Schwerbehinderten gleichgestellt ist. Faktisch besitzen nur wenige stotternde Menschen einen Ausweis – zum einen, weil in der Regel ein sehr ausgeprägtes Stottern vorliegen muss, um einen bestimmten Grad der Behinderung zu erhalten; zum anderen aber auch, weil die meisten Stotternden es nicht in Erwägung ziehen, diesen zu beantragen.



Best-Practice-Beispiele - Ein offener Umgang hilft

Um Missverständnisse auf beiden Seiten von vornherein auszuschließen, ist ein offener Umgang mit dem Stottern empfehlenswert. Trauen Sie sich, einen Stotternden vorurteilsfrei auf sein Handicap anzusprechen. Fragen Sie ihn, ob er sich Unterstützung wünscht. Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass ein Stotternder von vornherein jegliche herausfordernde kommunikative Aufgaben ablehnen würde.

Wenn Probleme auftreten

Die meisten Stotternden brauchen keine besonderen Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz. Sollten vereinzelt doch Hindernisse auftauchen, können Ihnen folgende Beispiele eine Hilfestellung geben.

Individuelle Vereinbarungen können hilfreich sein

Treffen Sie gemeinsam individuelle Vereinbarungen, um den Berufsalltag für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten. Die folgenden Beispiele sollen illustrieren, welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sein können. Letztlich gilt aber auch hier: Das Individuum ist entscheidend. Jeder Stotternde ist anders und was dem einen hilft, muss nicht auf einen anderen zutreffen. Sprechen Sie miteinander und finden Sie es heraus!

Telefongespräche sind für einige stotternde Menschen eher unangenehm, sind aber für den Arbeitsalltag meist unerlässlich. Fragen Sie Ihren Mitarbeiter, was er sich zutraut. Für längere Kundengespräche kann es z.B. hilfreich sein, eine ruhige Umgebung zu schaffen statt der großen Geräuschkulisse eines Großraumbüros.
Bei größerer Telefonangst: vereinbaren Sie, dass vorerst keine eingehenden Gespräche durchgestellt werden. Der Mitarbeiter könnte in der Anfangszeit beispielsweise nur ausgehende Gespräche führen, bei denen er den Zeitpunkt selbst bestimmen und sich besser auf das Gespräch vorbereiten kann.

Meetings oder Teambesprechungen sind aus kaum einem Unternehmen wegzudenken. Bei schnellen Gesprächsverläufen, kann es passieren, dass ein Stotternder sich nicht in dem gewünschten Maße einbringt. Achten Sie darauf, auch dem stotternden Mitarbeiter entsprechend Zeit zum Sprechen einzuräumen. Entschleunigen und strukturieren Sie gegebenenfalls die Kommunikation untereinander bei Besprechungen. Das kann für alle Beteiligten ein Gewinn sein.

Bei Präsentationen planen sie gegebenenfalls ein paar Minuten mehr ein.

In allen Gesprächen mit stotternden Mitarbeitern/Kollegen gelten letztlich die gleichen Regeln wie für jedes Gespräch: Halten Sie lockeren Blickkontakt, lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden und vollenden Sie nicht dessen Satz. Fragen Sie einfach nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.



Hilfe und Unterstützung - Wir sind für Sie da

Kontakt und Ansprechpartner

Bei allen Fragen rund um "Stottern und Beruf" steht Ihnen unsere Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle gerne zur Verfügung:

Martina El Meskioui
Projektreferentin "Stottern und Beruf"
Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.
Zülpicher Str. 58
50674 Köln
Telefon: 0221-1391106
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Auf unseren Webseiten finden Sie umfangreiche Informationen über Stottern. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Informationsbroschüren kostenfrei anzufordern oder herunterzuladen. Speziell für Arbeitgeber, Arbeitsagenturen und Integrationsämter haben wir das Faltblatt „Stotternde Menschen im Arbeitsleben“ herausgegeben.
Zur Beantwortung von eher allgemeinen Fragen über Stottern sind die Faltblätter "Hinweise für das Gespräch mit Stotternden" und "Was Sie schon immer über Stottern wissen wollten" hilfreich.
Weitere Tipps und Anregungen finden Sie auch im Buch „Das Stottern hat immer eine Rolle gespielt“ und in der DVD „Trotz Stottern erfolgreich im Beruf“ aus unserem Verlag.



 

Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

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Zülpicher Straße 58
50674 Köln


Telefon: 0221-139 1106
Telefax: 0221-139 1370
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