STOTTERN = Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Hinweise für Arbeitgeber, Vorgesetzte, Personalleiter und Kollegen


Übersicht



Im Vorstellungsgespräch – Stottern kann irritieren

Stottern – kein Ausdruck von AufregungHinweise für das Gespräch mit Stotternden

Wenn Ihnen in einem Vorstellungsgespräch ein stotternder Bewerber gegenübersitzt kann dies zunächst irritieren oder verunsichern. Häufige Silben- bzw. Wortwiederholungen lassen Ihr Gegenüber vielleicht besonders aufgeregt erscheinen. Dabei fehlen dem Stotternden nicht die Worte. Stotternde wissen nämlich genau, was sie sagen wollen, sie können es in diesem Moment nur nicht fließend aussprechen. Die Situation kann auch ganz anders sein: Vielleicht wundern Sie sich, dass der Bewerber so wortkarg ist oder ungewöhnliche Formulierungen wählt. Nicht selten umgehen Stotternde ein Stotterereignis, indem sie Worte austauschen oder möglichst wenig sprechen.

So verhalten Sie sich richtig

Lassen Sie sich davon nicht beirren und ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse über die Arbeitsweise oder Leistungsfähigkeit. Stottern sagt nichts darüber aus. Es ist eine Unterbrechung des Redeflusses – nicht mehr und nicht weniger.
Viele Stotternde werden von sich auf das Thema zu sprechen kommen. Haben Sie auf der anderen Seite als Arbeitgeber oder Personalverantwortlicher keine Hemmungen, einen stotternden Bewerber auf sein Stottern anzusprechen oder nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. So vermeiden Sie von vornherein Missverständnisse.
Ansonsten gelten für das Gespräch mit stotternden Menschen letztlich die gleichen Regeln wie für jedes Gespräch: Halten Sie lockeren Blickkontakt, lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden und vollenden Sie nicht dessen Satz. Weitere Hinweise finden Sie im Faltblatt „Hinweise für das Gespräch mit Stotternden“, das Sie bestellen oder als PDF herunterladen können.



Stotternde Mitarbeiter – Diversity im Unternehmen

Auf die Vielfalt kommt es anVielfalt im Beruf

Im Arbeitsleben bedeutet Stottern keine generelle Einschränkung. Stotternde finden sich in nahezu allen Berufsfeldern, auch in jenen mit hohen kommunikativen Anforderungen. Mitglieder der BVSS arbeiten als Journalist, Lehrerin, Rechtsanwalt, Physiotherapeutin, Personaler, im Außendienst oder als Frisör. Wieso nicht auch bei Ihnen?
Bedenken Sie: Jeder Mensch ist mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen ausgestattet und macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen, die ihn prägen. Diese Vielfalt bringen Menschen in ihre tägliche Arbeit mit ein und bereichern dadurch das Unternehmen. Dies gilt für stotternde Menschen genauso wie für jeden anderen.

Auch Stottern ist vielfältig

Stottern ist variabel und variantenreich. Keine zwei Menschen stottern gleich. Stottern ist veränderbar und in vielerlei Hinsicht eine dynamische Behinderung. Die Symptomatik kann zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Menschen verschieden stark ausgeprägt sein.
Durch Therapie und Selbsthilfe können Stotternde lernen, ihre Symptomatik zu kontrollieren. Viele Stotternde entwickeln außerdem im Laufe ihres (Berufs-) Lebens durch die persönliche Weiterentwicklung im Unternehmen einen anderen Umgang mit dem Stottern. Aufgaben, die man bei Eintritt in den Betrieb möglicherweise noch abgelehnt oder sich nicht zugetraut hat, werden zu einer gern angenommenen Herausforderung. Geben sie stotternden Mitarbeitern – so wie allen anderen Mitarbeitern – die Gelegenheit, ihre Stärken innerhalb Ihres Unternehmens zu entwickeln, an und mit ihren Aufgaben zu wachsen!

Stottern als Behinderung

Stottern ist als Behinderung anerkannt. Es kann also sein, dass Sie auf einen stotternden Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis treffen bzw. auf jemanden, der Schwerbehinderten gleichgestellt ist. Faktisch besitzen nur wenige stotternde Menschen einen Ausweis – zum einen, weil in der Regel ein sehr ausgeprägtes Stottern vorliegen muss, um einen bestimmten Grad der Behinderung zu erhalten; zum anderen aber auch, weil die meisten Stotternden es nicht in Erwägung ziehen, diesen zu beantragen.



Hinweis für die Praxis – Ein offener Umgang hilft

Offenheit – für ein gutes berufliches MiteinanderVielfalt im Beruf

Um Missverständnisse auf beiden Seiten von vornherein auszuschließen, ist ein offener Umgang mit dem Stottern empfehlenswert. Trauen Sie sich, einen Stotternden auf sein Handicap anzusprechen. Fragen Sie ihn, ob er sich Unterstützung wünscht. Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass ein Stotternder von vornherein jegliche herausfordernde kommunikative Aufgaben ablehnen würde.

Individuelle Vereinbarungen können hilfreich sein

Die meisten stotternden Menschen brauchen keine besonderen Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz. Treffen Sie gegebenenfalls gemeinsam individuelle Vereinbarungen, um den Berufsalltag für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten. Die folgenden Beispiele zeigen auf, welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sein können. Letztlich gilt aber: Das Individuum ist entscheidend. Jeder Stotternde ist anders und was dem einen hilft, muss nicht auf einen anderen zutreffen. Sprechen Sie miteinander und finden Sie es heraus!

Beispiele für die berufliche Praxis

Telefongespräche sind für einige stotternde Menschen eher unangenehm, sind aber für den Arbeitsalltag meist unerlässlich. Fragen Sie Ihren Mitarbeiter, was er sich zutraut. Für längere Kundengespräche kann es z.B. hilfreich sein, eine ruhige Umgebung zu schaffen statt der großen Geräuschkulisse eines Großraumbüros.
Bei größerer Telefonangst: vereinbaren Sie, dass vorerst keine eingehenden Gespräche durchgestellt werden. Der Mitarbeiter könnte in der Anfangszeit beispielsweise nur ausgehende Gespräche führen, bei denen er den Zeitpunkt selbst bestimmen und sich besser auf das Gespräch vorbereiten kann.

Meetings oder Teambesprechungen sind aus kaum einem Unternehmen wegzudenken. Bei schnellen Gesprächsverläufen, kann es passieren, dass ein Stotternder sich nicht in dem gewünschten Maße einbringt. Achten Sie darauf, dem stotternden Mitarbeiter entsprechend Zeit zum Sprechen einzuräumen. Entschleunigen und strukturieren Sie gegebenenfalls die Kommunikation untereinander bei Besprechungen. Das kann für alle Beteiligten ein Gewinn sein.

In allen Gesprächen mit stotternden Mitarbeitern/Kollegen gelten letztlich die gleichen Regeln wie für jedes Gespräch: Halten Sie lockeren Blickkontakt, lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden und vollenden Sie nicht dessen Satz. Fragen Sie einfach nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Weitere Hinweise finden Sie im Faltblatt „Hinweise für das Gespräch mit Stotternden“.



Hilfe und Unterstützung – Wir sind für Sie da

Kontakt und Ansprechpartner

Bei allen Fragen rund um "Stottern und Beruf" steht Ihnen unsere Projektreferentin in der Geschäftsstelle gerne zur Verfügung:

Martina El Meskioui
Projektreferentin "Stottern und Beruf"
Telefon: 0221 - 139 11 06
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Weitere Informationen

Auf unseren Webseiten finden Sie umfangreiche Informationen über Stottern. Hier eine Auswahl an Informationsbroschüren und weiterführender Literatur:



 

Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

Informations- und Beratungsstelle
Zülpicher Straße 58
50674 Köln


Telefon: 0221-139 1106
Telefax: 0221-139 1370
E-Mail: info@bvss.de

Bankverbindung & Spendenkonto
Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN DE67370205000007103400
BIC BFSWDE33XXX
Neu jetzt Online Spenden!

Demosthenes-Verlag

Stottern - Wir wissen Bescheid.

Spenden & Mitgliedschaft

Unterstützung für unsere Arbeit
Stottern braucht eine Lobby!

Weitere Angebote

Stotterer-Selbsthilfegruppen

BVSS-Forum

stottern_bvss_facebook

youtube stottern.videos

Google Übersetzungen

German English French Italian Portuguese Russian Spanish Turkish